Ebenso kann Cold Reading im "privaten" schützen: Menschen, welche generell mit Lügen unsere Freundschaft erringen wollen, können nämlich ebenfalls recht leicht enttarnt werden. Dabei ist Cold Reading wie so oft keine Magie oder Zauberei, sondern lediglich "bewusstes" Beobachten und dementsprechende Deutung dieser so gewonnenen Informationen.
Denn bei fast allen Menschen verrät die eigentliche – und oftmals vollkommen unbewusste – Körpersprache weitaus mehr als bloße Worte, die sich zwar manchmal recht schön anhören, aber eben wiederum nicht immer der Wahrheit entsprechen müssen. Nicht umsonst gibt es die alte Volksweisheit "Ein Bild sagt mehr als tausend Wort", im Sinne des Cold Reading könnte man diese Binsenweisheit durchaus in "Ein Körper sagt mehr tausend (geschwindelte) Worte" abändern.
Tatsächlich ist Cold Reading im Grunde nichts anderes, als die Beobachtung und parallele Deutung von Körperhaltung, Mimik, Gestik und anderen rein visuellen Informationsquellen. Somit kann derjenige, der Cold Reading und damit die Beobachtung Schrägstrich Deutung beherrscht oder zumindest halbwegs verinnerlicht hat, durchaus Lügen erkennen und entlarven. Ob dies nun in einem offenen (verbalen) Angriff endet – in Form von "Du schwindelst doch" – oder aber nur dem defensiven "Eigenschutz" dient, sei einmal mehr dahingestellt.
Von daher zeigt sich Cold Reading auch wieder einmal weniger als pure Magie, selbst wenn gerade heute die „kalte Deutung“ gern von Magiern eingesetzt wird, sondern als reine Beobachtung, aus welcher wiederum rein logische Schlussfolgerungen gezogen werden können.
Zeichen, welche einen Lügner überführen können, gibt es allein in der Mimik viele – Cold Reading hilft, sie zu deuten. So ist etwa ein unruhiger Blick oder flatternde Augenlieder ein (mögliches) Zeichen, dass jemand nicht so ganz die Wahrheit erzählt. Ebenso lässt allerdings ein zu intensiver, geradezu fixierender und langanhaltender Blick die Deutung zu, dass hier der Erzähler schwindelt. Wie so oft kann, muss aber nicht, eine Lüge im Spiel sein. Tatsächlich ist das manchmal doch recht schwierig zu erkennen und selbst wenn die Zeichen quasi auf Lüge stehen, muss es nicht immer so sein. Eine unruhige Körperhaltung und versteckte Hände, kombiniert mit den genannten "Augensignalen", lassen aber beim Cold Reading durchaus auf eine Schwindelei schließen...
